🌾 Ein Stück meiner Geschichte
- Elisabete Lichtmoment

- 28. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Ich möchte gleich zu Beginn etwas klarstellen:
Ich will niemanden schlecht machen.
Ich liebe meine Eltern. 💛
Ich glaube, sie haben einfach getan, was sie kannten –
was sie selbst gelernt hatten.
Vielleicht wussten sie es nicht besser.
Aber heute spüre ich, dass in mir noch etwas lebt –
eine alte Schwere, ein Schmerz, der Raum braucht.
Ich möchte ihn loslassen, oder es wenigstens versuchen.
Weißt du, als Mädchen war mein Platz überall.
Drinnen – und draußen.
Ich stand früh auf, machte das Bett, spülte die Tassen vom Morgenkaffee,
und dann ging es hinaus aufs Feld.
Mittags kochen, wieder abspülen, weiterarbeiten,
am Abend zurück in die Küche.
Tag für Tag, ohne Pause, ohne Fragezeichen.
Und zusätzlich war da noch die Schule.
Wenn ich Unterricht hatte, bedeutete das nur,
dass die Arbeit danach auf mich wartete.
Hausaufgaben machte ich spät in der Nacht,
wenn alles andere endlich getan war.
Bis zur vierten Klasse durfte ich gehen.
Danach hieß es: *Jetzt wirst du gebraucht.*
Ich verließ die Schule, um zuhause Vollzeit zu helfen.
Damals kam mir das normal vor – ich kannte es nicht anders.
Es war, als wäre das einfach mein Platz in der Welt.
Und doch erinnere ich mich, wie meine Brüder einfach aufstanden,
hinausgingen, lachten – ohne all das tun zu müssen.
Sie kamen vom Feld, liefen über den frisch geschrubbten Boden mit ihren Schuhen,
und lachten, wenn ich wütend wurde.
Für sie war es ein Spiel.
Für mich war es, als würde alles, was ich tat, unsichtbar bleiben.
Ich glaube nicht, dass sie wussten, was das mit mir machte –
wie sehr sich dieses Gefühl, *nicht gesehen zu werden*,
in mein Herz eingebrannt hat.
Wie es mich unsicher machte, leise, schüchtern, ungeschützt.
Dieses kleine Mädchen in mir fühlte sich so allein gelassen,
so ohne Zuflucht, ohne Platz, an dem sie einfach Kind sein durfte.
Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich sie noch immer –
das Mädchen, das ganz allein dasteht.
Die kleinen Hände eng an den Körper gezogen,
den Blick auf den Boden gerichtet.
Ich sehe, wie sie weint, leise, damit es niemand merkt.
So schüchtern, dass sie, sobald jemand mit ihr sprach,
rot anlief und vier Schritte zurückwich,
nicht aus Trotz – sondern aus Angst, aus Unsicherheit,
weil die Welt um sie herum zu laut, zu groß war.
Und sie – so klein.
Es war fürchterlich beängstigend.
Und überall war Gewalt.
Egal wohin sie blickte – sie begegnete ihr.
Schläge taten weh, besonders am Anfang.
Doch irgendwann wurden sie… normal.
Ob von Eltern oder Geschwistern –
es war einfach Teil ihres Alltags.
Angst war ihr ständiger Begleiter.
Aber sie hasste niemanden.
Sie hasste nur sich selbst.
Sie fragte sich so oft:
*Wenn es wirklich Gott gibt, warum schaut er nicht auf mich?
Warum nimmt er mich nicht einfach zu sich, in den Himmel,
damit es endlich ruhig wird in mir?*
Das waren Gedanken, die das kleine Mädchen hatte –
Gedanken, die im erwachsenen Ich noch immer nachhallen.
Weil der Schmerz nie ganz verschwunden ist.
Aber ich will nicht in der Wut und Dunkelheit bleiben.
Ich möchte verstehen.
Ich möchte loslassen.
Ich möchte dieses kleine Mädchen in mir in Frieden bringen –
sie sehen, sie halten, sie trösten.
Heute darf sie atmen.
Heute darf sie sagen: *Es war zu viel. Und doch habe ich überlebt.* 🌸
Und vielleicht darf sie heute zum ersten Mal glauben,
dass Gott immer da war –
nicht, um sie zu bestrafen,
sondern um sie zu tragen, wenn sie selbst nicht mehr konnte.
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