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Ich war das Kind, das niemand sah


Sie war so still.

So voller Angst und Scham, dass sie kaum wagte, gesehen zu werden.

Wenn jemand sie ansah, senkte sie sofort den Blick –

nicht aus Schüchternheit allein,

sondern weil sie glaubte, sie wäre falsch, ungenügend, hässlich.

Die anderen nannten sie dumm,

taten so, als wäre sie seltsam,

als wäre sie unsichtbar.


Niemand in ihrer Familie sah wirklich hin.

Keiner schützte sie.

Um sie herum war die Gewalt

kein Ausnahmezustand – sie war Alltag.

Ein stilles, verzerrtes Normal.

Darüber zu sprechen war verboten,

ein Tabu, das schwerer wog als jedes Wort.


Und doch wünschte sie sich so sehr,

dass jemand sie einfach mal in den Arm nimmt.

Einen Moment lang.

Nur um zu spüren, dass sie dazugehört.

Dass sie es wert war, geliebt zu werden.

Aber sie kann sich an keinen solchen Moment erinnern.

Nicht einen einzigen.


Die Erinnerungen, die geblieben sind,

sind laut, grell, schneidend.

Sie sieht sie immer noch –

den großen Mann mit dem Hammer,

die schreiende Mutter,

den Augenblick, in dem sie dachte,

dass gleich alles endet.


Sie war so klein,

und doch musste sie Dinge sehen,

die kein Kind jemals sehen sollte.

Sie schrie, sie flehte,

wollte nur, dass alles aufhört,

dass jemand sie rettet,

dass jemand sie einfach *hält.*


Aber niemand kam.

Die Eltern taten später, als wäre nichts gewesen.

Nie fiel ein Wort darüber.

Nur das Schweigen blieb –

und die Bilder,

die sich bis heute nicht lösen wollen.


Und trotzdem –

irgendwo tief in ihr

brennt noch dieser kleine, unbeirrbare Funke:

das Kind, das nie aufgehört hat zu hoffen,

dass Liebe doch existiert.


Vielleicht beginnt Heilung genau dort –

wo man sich selbst zum ersten Mal zärtlich in die Arme nimmt,

so, wie es damals niemand getan hat.

Nicht um zu vergessen,

sondern um endlich zu sagen:

*Ich sehe dich. Ich halte dich. Du darfst jetzt sicher sein.* 🌹

 
 
 

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